Polarlichter in Finnland

Polarlichter in Finnland

Polarlichter sehen – einmal im Leben. Wer hat diesen Traum nicht? Natürlich geht es uns hier nicht anders als vielen anderen, denn das Spektakel von tanzenden Nordlichtern am arktischen Himmel ist wirklich einmalig. Aber dabei gibt es auch einiges zu beachten, um eure Chancen auf Aurora Borealis zu erhöhen, denn viele Reisende verlassen den hohen Norden wieder ohne auch nur einen Blick auf die Polarlichter geworfen zu haben. Wir haben uns den Traum von Nordlichtern in Finnland – genauer gesagt in Lappland erfüllt.

Wie entstehen Nordlichter?

Polarlichter werden ausgelöst durch Sonnenstürme. Das heißt die Sonne bläst Materie – also Protonen und Elektronen ins All und ein Teil davon trifft nach einigen Tagen die Erde. Glücklicherweise sind wir vor dieser todbringenden Strahlung durch das Magnetfeld der Erde geschützt. Die magnetischen Feldlinien der Erde leiten die Strahlung der Sonnenwinde ab und führen einen Teil der darin enthaltenen Elektronen in Richtung der beiden Pole unseres Planeten, wo diese auf die Erdatmosphäre treffen und das Phänomen der Polarlichter verursachen. Ich finde es unfassbar beeindruckend, dass dieser Zusammenhang erforscht ist und man das heute weiß. Stellt euch mal vor, ihr seid ein Wikinger vor einigen Hundert Jahren und plötzlich leuchtet der Himmel nachts in allen Farben des Regenbogens. Vielleicht ist diese Erklärung wissenschaftlich nicht ganz korrekt – aber für uns soll es reichen, wenn wir wissen, dass die Aurora entsteht, weil Sonnenwinde auf das Magnetfeld bzw. die Atmosphäre der Erde treffen.

Wo sieht man Polarlichter?

Nordlichter sieht man im sogenannten Polarlichtoval. Das ist eine Zone rund um den magnetischen Nordpol (und auch Südpol), in dem Aurora borealis (australis) sichtbar auftritt. Im Normalfall handelt es sich dabei im Norden um Canada, Alaska, das nördliche Russland, Grönland, bisweilen Schottland und eben Skandinavien mit Schweden, Norwegen und Finnland. Wir haben uns für unseren Bucketlist Trip zu den Polarlichtern Finnland als Reiseziel ausgesucht – genau gesagt Finnisch Lappland.

Flughäfen und Anreise nach Lappland - Finnland

Nach Finnisch Lappland kommt ihr am besten mit dem Flugzeug. Direktflüge gibt es etwa von München nach Kittilä immer samstags, von Frankfurt nach Kuuusamo ebenfalls jeden Samstag im Winter oder mittwochs und samstags von Düsseldorf nach Rovaniemi. Die Sommerflugpläne unterscheiden sich deutlich. Ansonsten könnt ihr von vielen Flughäfen über Helsinki nach Kittilä, Ivalo, Rovaniemi, Kuusamo, Kemi oder Oulu fliegen. Bis nach Rovaniemi kommt man auch sehr gut mit dem Zug.

Autofahren in Finnland – Mietauto in Lappland

Wir empfehlen ab dem Flughafen oder Bahnhof dann auf ein Mietauto umzusteigen, um bei der Jagd auf Polarlichter in Lappland immer flexibel zu sein.
Autofahren im Norden Finnlands ist grundsätzlich sehr angenehm, da auf den Straßen nicht viel los ist. Es gibt auch keine Maut oder andere Gebühren.
Was für einen Mitteleuropäer etwas ungewohnt ist, ist das Fahren auf vereisten oder schneebedeckten Straßen. Zum Schutz der Umwelt verzichten die Finnen auf das Ausbringen von Salz auf den Straßen. Die Winterreifen haben auch einen deutlich besseren Gripp als unsere, sodass man sich schnell daran gewöhnt auch auf eisigen Straßen zügig und sicher zu fahren. Viele Einheimische haben auch kleine Metallspikes an ihren Reifen. Das hatte unser Mietwagen nicht, aber das war vollkommen ok. Auch am Tag müsst ihr das Licht am Fahrzeug anschalten. Die Benzinpreise waren etwas höher als in Deutschland. Die Unterschiede waren relativ groß, sodass man sparen konnte, indem man nur wenige Kilometer weiterfuhr.
In allen Autos – auch in den Mietwägen – sind Stromladekabel enthalten. In kalten Nächten werden die Autos an die Steckdose angesteckt, um das kältebedingte Entladen der Batterie zu verhindern. Steckdosen findet ihr an vielen öffentlichen Parkplätzen sowie bei Hotels und Supermärkten.
Wir hatten unseren Mietwagen über Check24 gebucht über. *Affiliate Link

Wann sieht man Polarlichter?

Um Nordlichter in Finnland zu sehen, gibt es einige wichtige Rahmenbedingungen, die ihr beachten müsst, um eure Chancen zu erhöhen, in den Genuss von Polarlichtern zu kommen. Diese sind Dunkelheit, Sonnenaktivität und Wolkenabdeckung.

Was ist die beste Jahreszeit für Nordlichter?

Das Abendessen im Star Arctic Hotel wird im Restaurant Kaunis á la carte serviert und hat uns wirklich begeistert. Ohne sie vorher zu kennen, haben wir uns so die Nordische Küche vorgestellt. Wir waren wirklich begeistert. Hochwertige Zutaten aus der Region in stimmige Gerichte umgesetzt. Auch wenn so ein Restaurantbesuch nicht günstig ist, lohnt er sich allemal. Wir hatten als Vorspeise Arktischen Saibling aus dem Inarisee und Rentierfleisch-Teigtaschen in Brühe. Zum Hauptgang gab es wieder Fisch aus dem Inarisee und Rentierfilet. Als Dessert haben wir Moltebeeren mit Eistrüffel gewählt.

Beste Mondphase für Nordlichter

Neben der Jahreszeit ist auch die Mondphase ausschlaggebend für eine möglichst dunkle Nacht. Die Tage rund um den Neumond sind zur Sichtung von Polarlichtern am besten geeignet, da der Himmel dann sehr dunkel ist und ihr die beste Sicht auf die am Himmel tanzenden Lichter habt. Vollmond ist logischerweise dann am wenigsten vorteilhaft bei der Beobachtung von Aurora. Am Tag vor unserer Abreise konnten wir aber auch noch bei Halbmond gut Nordlichter sehen und fotografieren. Hier findet ihr eine genaue Vorhersage für die Mondphasen.

Fremdlichter stören den Blick auf Polarlichter

Nicht nur der Mond stört die Dunkelheit und damit den klaren Blick auf die Polarlichter – auch künstliches Licht ist störend. Versucht daher einen Ort zu finden, der entfernt von Zivilisation und ihrem Kunstlicht ist.

Sonnenaktivität – Sonnenstürme als Auslöser für Nordlichter

Wie weiter oben bereits beschrieben sind Sonnenstürme Auslöser für die mystische Aurora, die wir so gerne am Himmel sehen möchten. Daher ist es wichtig, dass während eurer Reise nach Finnland viel Sonnensturm auf der Erde ankommt. Darauf hat man natürlich keinen Einfluss, aber man geht davon aus, dass die Aktivität am Beginn und Ende des Winters am höchsten ist. Das heißt Ende September und März sind die Monate mit den höchsten Wahrscheinlichkeiten, um die Polarlichter zu sehen. Auch wenn man keinen Einfluss auf die Aktivität der Sonne hat, kann man sie zumindest mit im Blick behalten, denn eine kurz- und mittelfristige Vorhersage ist durchaus möglich.
Es gibt unzählige Apps, die sich in Aurora Vorhersagen versuchen. Wir haben uns, als wir vor Ort in Finnland waren, die App „Aurora“ runtergeladen und damit gute Erfahrungen gemacht. Ladet euch die App runter und lasst euch Mitteilungen senden, wenn die Chancen auf Nordlichter gut stehen. Die App zeigt euch im Reiter „Jetzt“ mit Hilfe einer „Heatmap“ an, wo auf der Welt gerade Polarlichter auftreten. Wenn ihr euch im roten Bereich befindet, habt ihr gute Chancen auf Nordlichter.
Die App hat auch einen „Vorhersage“ Reiter, der für die nächsten Stunden die Wahrscheinlichkeit für eine Nordlichter Sichtung angibt. Ab einer Wahrscheinlichkeit von
> 25% haben wir einigermaßen zuverlässig Polarlichter gesehen. Diese Prognose bezieht auch die aktuelle Wolkenabdeckung mit ein.
In der App könnt ihr euch eine Langzeitprognose von drei Wochen für die Sonnenaktivität (KP-Potential) anzeigen lassen. Bei Werten von > 3 stehen die Chancen sehr gut.

Wolkenabdeckung

Neben Dunkelheit und dem Auftreten von Sonnenstürmen gibt es noch eine dritte wichtige Rahmenbedingung – die Wolkenabdeckung. Was nützen eine dunkle Nacht und Polarlichter, wenn der Blick darauf durch Wolken versperrt ist? Auch hier ist es so, dass man keinen Einfluss darauf hat. Jedoch kann man aber die Lage beobachten und so besser vorhersagen. Wir haben dazu die App „Regenradar“ genutzt. Die enthält neben den Informationen zu Niederschlag auch eine Projektion der Bewölkung und sagt diese relativ genau für die nächsten ein bis zwei Tage voraus. Verlasst euch aber nicht komplett darauf. Wir hatten auch an als bewölkt angekündigten Tagen immer wieder klare Momente, während denen wir die Aurora für einige Minuten sehen konnten.

Wie lange bleiben Polarlichter am Himmel zu sehen?

Wir haben ganz unterschiedliche Erfahrungen mit den Polarlichtern gemacht. Mal konnten wir sie zwei bis drei Stunden am Himmel beobachten, mal nur für einige Minuten. Vor allem zu Beginn ihres Auftretens sieht man sie oft nur ganz leicht und kann sie schon mal mit einer Wolke verwechseln. Dann werden sie immer stärker und farbiger, um dann wieder abzuklingen. Oft sieht man auch mehrere Stränge von Polarlichtern in verschiedenen Richtungen.

Beste Voraussetzungen, um Polarlichter zu sehen

Die besten Voraussetzungen, um die Nordlichter zu sehen habt ihr also in den Monaten September, Oktober Februar und März. In den Zeiten um den Neumond herum, an Orten mit wenig Fremdlicht, in den Bereichen unter dem Polarlichtoval. Ansonsten müsst ihr auf starke Sonnenaktivität und einen klaren Himmel hoffen.

Fotografieren von Nordlichtern

Das Fotografieren von Polarlichtern ist keine Hexerei und bedarf keine sündhaft teuren Equipments. Eine Kamera, mit der man manuelle Einstellungen vornehmen kann und manuell fokussieren kann, sollte es aber unserer Meinung nach schon sein. Natürlich kann man die Nordlichter auch mit Handy mit Night-Modus fotografieren, aber die Qualität reicht dann halt auch nur für einen kleinen Handybildschirm. Jeder hat andere Ansprüche an Bilder und einen anderen Verwendungszweck, aber unser Anspruch waren die Handybilder nicht. Wir sind keine professionellen Fotografen aber unsere Erfahrungen beim Fotografieren von Polarlichtern möchten wir euch dennoch nicht vorenthalten. Wir haben unsere Bilder mit einem Canon 24-70 mm 2.8 auf einer Canon R6 (Spiegellose Kamera) geschossen.

Belichtungszeit beim Fotografieren von Polarlichtern

Für uns hat sich eine Belichtungszeit zwischen 1 bis 2 Sekunden als optimal rausgestellt. Natürlich verhält sich das bei jedem Objektiv und bei jeder Kamera anders, je nachdem wie weit ihr mit dem ISO nach oben gehen könnt oder wie weit ihr die Blende öffnen könnt. Durch die lange Belichtungszeit, besteht dir Gefahr, dass ihr das Bild verwackelt. Daher empfehlen wir euch unbedingt ein stabiles Stativ (mit Schaumstoffgriff wegen der Kälte) und einen Fernauslöser zu verwenden.

ISO beim Fotografieren von Nordlichtern

Dank unserer Canon R6 können wir beim ISO relativ weit hoch gehen und haben immer noch eine super Bildqualität, sodass wir beim ISO auf 4000 gehen konnten und kaum Rauschen im Bild hatten. Das restliche Rauschen kannst du dann über die Bildbearbeitung bearbeiten. Das funktioniert nicht bei allen Kameras. Passt diese Einstellung also auf jeden Fall an die Fähigkeiten eurer Kamera an.

Fokussieren beim Fotografieren von Aurora borealis

Das Objekt, das ihr fotografieren wollt, befindet sich ja am Himmel und hat dazu noch eher weiche Konturen und Kanten, sodass ein scharf stellen mithilfe des Autofokus schwierig bis unmöglich ist. Am besten fokussiert ihr also manuell auf die Polarlichter, einen Stern oder ein sehr weit entferntes Objekt. Das Schärferad am Objektiv steht dabei dann in der Nähe des „Unendlich“-Symbols. Deaktiviert dazu noch den Bildstabilisator.

Blende beim Fotografieren von Polarlichtern

Wir haben immer mit komplett offener Blende fotografiert, damit viel Licht auf den Sensor fällt und ihr mit Belichtungszeit und ISO weiter runter gehen könnt. In unserem Setup haben wir also mit Blende 2.8 fotografiert. Wenn ihr auf euren Polarlichterbildern einen netten Vordergrund oder sogar Personen mit auf den Bildern haben wollt, kann es sinnvoll sein, die Blende etwas weniger weit offen zu haben.

Zeitraffer bei Nordlichtern

Wir haben mit komplett offener Blende von 2.8 fotografiert. Den ISO haben wir auf 4000 eingestellt. Die Belichtungszeit haben wir auf 1 bis 2 Sekunden definiert und das Intervall auf 2 Sekunden bei 300 Bildern eingestellt. Fokussiert haben wir wieder manuell. Ihr solltet zum Platzieren des Stativs einen Standort mit konstanten Bedingungen wählen, denn Fremdlichtquellen wie Autoscheinwerfer oder Lichter von Gebäuden mit Bewegungsmelder stören auf den tollen Aufnahmen.
Das wichtigste ist aber beim Fotografieren von Polarlichtern, dass ihr die Kamera auch mal zur Seite legt und das Phänomen Aurora borealis einfach genießt.

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